Cleantech: Boom der Innovationen

Windräder auf grüner Wiese

Die Energiewende zählt zu den größten technologischen Herausforderungen und Umwälzungen dieses Jahrhunderts – die Konversion der weltweiten Energieerzeugung hin zur Nutzung regenerativer Quellen ist nicht nur aus Klima- und Umweltschutzgründen, sondern auch angesichts der Endlichkeit fossiler Energieträger unumgänglich.





Doch immer wieder stellen Kritiker sowohl die Erreichbarkeit als auch die Bezahlbarkeit dieses Ziels infrage. Natürlich ist es legitim und notwendig, laufende Prozesse immer wieder hinsichtlich ihrer Sinnhaftigkeit und Effektivität zu überprüfen. Experten des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) haben nun – zusammen mit Fachkollegen anderer Forschungseinrichtungen – die grundsätzliche Infragestellung des bundesdeutschen Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) durch die Expertenkommission für Forschung und Innovation (EFI) der Bundesregierung zum Anlass genommen, ein umfassendes Statement zur tatsächlichen Bedeutung des EEG in nationaler und internationaler Perspektive abzugeben (www.isi.fraunhofer.de).

Vielfältige Wirksamkeit

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz war eine der ersten und wirksamsten Verordnungen, die eine feste Einspeisevergütung für Ökostrom festschrieb und damit den Betrieb von Anlagen zur Erzeugung von Strom aus regenerativen Quellen förderte und – in der Frühphase – oft erst möglich machte. Damit hat es zunächst in der Bundesrepublik und, bald nachdem andere Länder entsprechende Regelungen einführten, auch international den Einsatz Tausender Windräder und Zehntausender Solarkollektoren sowie weiterer dazugehöriger Technologien vorangetrieben.

Die Fachleute des ISI sehen darin einen unschätzbar nützlichen, globalen Praxistest, der weitreichende Fortschritte gebracht hat. Hierzu zählen sie

  • Leistungssteigerungen: So sei die durchschnittliche Produktionskapazität von Windanlagen zwischen 2000 und 2013 von 1100 Kilowatt auf 2600 Kilowatt mehr als doppelt so groß geworden, was es ermögliche, mit jeder Anlage deutlich mehr Elektrizität zu erzeugen.
  • Kostensenkungen: Die Preise beispielsweise für Solaranlagen hätten sich binnen sieben Jahren auf ein Drittel der ursprünglichen Kosten reduziert, während gleichzeitig auch hier die Effizienz der Anlagen deutlich gewachsen sei.
  • Verbesserte Markteintrittschancen: Das gestiegene Investoreninteresse ermögliche es auch Neulingen, schnell in den Innovationsmarkt Cleantech einzusteigen.
  • Förderung von Prozessinnovationen im Bereich Produktion und Innovationen der Herstellungstechnik: Die vom EEG ausgelöste Dynamik des Marktes ermögliche es den Unternehmen, durch Investitionen die Herstellungsprozesse weiterzuentwickeln, was sich direkt im verbesserten Preis-Leistungs-Verhältnis niederschlage.
  • Abstrahleffekte für Komplementär-Technologien: Ferner seien vielfältige Innovationen in systemrelevanten Technologiebereichen wie Speichertechniken, Softwareentwicklung, Gleichrichtern oder Stromnetztechnologie zu beobachten.

Internationale Effekte

Gewiss war die Förderung erneuerbarer Energien durch das EEG anfangs eine politische und keine rein wirtschaftliche Entscheidung. Doch entwickeln sich die dadurch angestoßenen Prozesse kontinuierlich weiter und haben dazu geführt, dass an leistungsstarken Tagen bereits ein Kostengleichstand zwischen regenerativer und fossiler Stromerzeugung erreicht wird. Dieses Verhältnis wird sich weiter zugunsten der regenerativen Energien verbessern.

Viel bemerkenswerter sind jedoch die nationalen und internationalen wirtschaftlichen Effekte. Neben der Schaffung Zehntausender Arbeitsplätze wurden Exporterlöse in Milliardenhöhe erzielt, die über den finanziellen Rücklauf durch Steuern bereits einen ansehnlichen Anteil der Fördergelder in die öffentlichen Kassen rückgeführt oder sogar zu Gewinnen geführt haben. Von noch größerer Bedeutung ist aber die Tatsache, dass die drastisch verringerten Investitionskosten für Regenerative-Energie-Technologien es Schwellen- und Entwicklungsländern ermöglichen, effiziente Cleantech-Anlagen zu realisieren und klimafreundliche Strategien beim Auf- und Ausbau einer unabhängigen Elektrizitätserzeugung zu verwirklichen. Die Staaten Süd- und Südostasiens sind hierfür eindrucksvolle Beispiele.

Die Gründe für einen Auf- und Ausbau von Cleantech-Anlagen wandeln sich – sie sind zunehmend weniger politischer Natur, sondern sind mehr und mehr Ergebnis einer klaren Kosten-Nutzen-Rechnung: Strom aus fossilen Energieträgern verursacht nur sehr niedrige Folgekosten, macht die Produzenten von jeglicher Nachschubversorgung unabhängig, erzeugt keine Abfälle. Für wirtschaftlich bislang schwache Regionen bedeutet Ökostromerzeugung eine große Entwicklungschance; neben regionaler Wertschöpfung entsteht mittelfristig sogar das Handelsgut Energie, was insgesamt zu einer ökonomischen und sozialen Entwicklung und damit Stabilisierung beiträgt.

Globale Erfolgsgeschichte

Insgesamt weisen die ISI-Experten Zweifel an der Sinnhaftigkeit und Effektivität der Förderung erneuerbarer Energien mit klaren Argumenten zurück. Erneuerbare-Energien-Gesetze erweisen sich weltweit als nützliche Instrumente, die Konversion der globalen Energieerzeugung zu beschleunigen und den Technologiewandel in den Bereich der Wirtschaftlichkeit zu führen. Hinzu kommen die finanziell nicht bezifferbaren Klimaschutzwirkungen.

Noch ist der Wettlauf gegen den Klimawandel nicht gewonnen, und es liegen noch viele ungelöste Aufgaben an diesem Weg. Doch überall dort, wo Regelwerke und Verordnungen eingeführt wurden, die analog des Erneuerbare-Energien-Gesetzes den Aufbau einer regenerativen Energieversorgung fördern, boomen Investitionen in Cleantech, und die Anlagen werden dank kontinuierlich verbesserter Effizienz immer leistungsstärker. Zahlreiche aktuelle Beispiele von Cleantech-Investitionen in süd- und südostasiatischen Ländern wie Thailand, Kambodscha, Malaysia oder auf den Philippinen, wo die ThomasLloyd Group 7 Projekte realisiert, belegen dies und zeigen anschaulich, welchen positiven Einfluss die Verfügbarkeit von Energie auf die regionale und nationale Wirtschaftsentwicklung haben kann.

Die Erneuerbare-Energien-Gesetzgebung ist also insgesamt eine weltweite Erfolgsgeschichte, und sie wird kontinuierlich fortgeschrieben: Jüngst haben Nigeria, die Palästinensischen Gebiete, Ruanda, Uganda und Jordanien entsprechende Regelungen erlassen, sodass nun 99 Länder bzw. Bundesstaaten über eine Erneuerbare-Energien-Gesetzgebung verfügen (www.klimaretter.info).

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