Kambodscha: Chancen für den Ausbau dezentraler Erneuerbarer Energien

Kambodscha Chancen für den Ausbau dezentraler erneuerbarer

Kambodscha hat bei seiner Energieversorgung noch einen weiten Weg zu gehen: Bislang beträgt die Elektrifizierungsrate in ländlichen Gebieten gerade einmal 20 Prozent (Quelle: Exportinitiative Erneuerbare Energien, Länderprofil Kambodscha, 2009). Noch liegt der Schwerpunkt der Stromversorgung vor allem auf importierten und damit teuren, fossilen Energieträgern. Doch das Land verfügt über große Potenziale, die von Wirtschaft und Haushalten dringend benötigte Elektrizität aus regenerativen Quellen selbst zu produzieren.

Über 80 Prozent des Stroms werden in der Hauptstadt Phnom Penh von deren 1,5 Millionen Einwohnern und den dort konzentrierten wichtigsten nationalen Wirtschaftsbetrieben verbraucht. Viele Dörfer verfügen dagegen nicht einmal über einen Anschluss an das stark lückenhafte nationale Elektrizitätsnetz. Man erzeugt den Strom daher vor Ort mit umweltbelastenden Dieselgeneratoren und speichert ihn in Autobatterien. Eine weitere Energiequelle ist Biomasse, zumeist Reisstroh und andere landwirtschaftliche Nebenprodukte; daneben gibt es kleine Wasserkraftanlagen.

Transformation zu einer zukunftsfähigen Elektrizitätsversorgung

Mit erneuerbaren Energien aus dezentralen Quellen wie diesen, welche die ThomasLloyd Unternehmensgruppe im Land finanziert, kann die Transformation hin zu einer zukunftsfähigen Elektrizitätsversorgung geschafft werden. Der Nachholbedarf ist immens, da unter der Herrschaft der Roten Khmer (1975-1978) zahlreiche technische Einrichtungen und Industrieanlagen sowie große Teile der Infrastruktur des Landes zerstört wurden. Aufgrund der folgenden Unruhejahre konnten Politik und Wirtschaft sie erst ansatzweise wieder herstellen oder neu aufbauen.

Die „National Policy on Renewable Energy-based Rural Electrification“ sieht vor, die Stromversorgung der ländlichen Gebiete mithilfe erneuerbarer Energien zu verbessern (Quelle: Exportinitiative Erneuerbare Energien, Länderprofil Kambodscha, 2009). Die vom bundesdeutschen Ministerium für Wirtschaft und Technologie und der Deutschen Energie-Agentur getragene „Exportinitiative Erneuerbare Energien“ sieht hier vor allem Potenziale in den Bereichen Solarenergie, Kleinwasserkraft und Biomasse. Diese dezentral arbeitenden Energiequellen haben den großen Vorteil, dass sie relativ schnell und auch ohne ein leistungsfähiges nationales Stromnetz nutzbar wären. Dessen Aufbau ist zwar geplant, wird aber einerseits viel Zeit erfordern, andererseits das finanzschwache Land finanziell sehr stark belasten.

Die Schaffung einer Vielzahl kleinerer Energiequellen würde die Versorgung des 15-Millionen-Einwohner-Landes also schnell voranbringen und aufgrund ihrer Störunanfälligkeit für Energiesicherheit sorgen. Ein geschickt gesteuerter Mix aus den drei oben genannten Technologien zur sauberen Stromgewinnung würde die Bereitstellung von Elektrizität auch in Zeiten geringerer Sonneneinstrahlung ermöglichen. Auch die völlig veraltete Speicherung des von Generatoren erzeugten Stroms in Autobatterien könnte durch eine stabile Energieversorgung zurückgefahren werden.

Praktische Erfahrungen mit umweltfreundlichen Technologien

Das Zeitalter der umweltfreundlichen und dezentralen Stromversorgung aus erneuerbaren Energiequellen hat auch in Kambodscha bereits begonnen: Anfang Januar 2012 fand ein von der Weltbank vorfinanziertes Projekt seinen Abschluss, in dessen Rahmen landesweit 12.000 kleine Solaranlagen installiert wurden. In ganz Kambodscha können nun praktische Erfahrungen mit dieser Technologie zur Gewinnung erneuerbarer Energie gesammelt werden.

Drei größere Projekte – zwei Solarparks mit je 10 Megawatt und einer mit 20 Megawatt Leistung – werden aktuell vom ThomasLloyd Cleantech Infrastructure Fund realisiert. Sie sollen nach Fertigstellung 348.000 Menschen mit Strom versorgen (Stand: 31.12.2012). Eine vielversprechende Ausgangsbasis für den weiteren Ausbau der sauberen, nachhaltigen und vor allem autarken Energieversorgung Kambodschas.